Martins Poptagebuch: 18.04.2018

mit King Tuff, Cardi B und National Jazz Trio Of Scotland

Ist das nun ernst gemeint oder Parodie? Diese Frage stellt sich bei „The Other“ von King Tuff immer wieder. Denn Kyle Thomas trägt schon ganz schön dick auf, schreckt dabei obendrein vor Seichtigkeiten und dem genüsslichen Ritt auf Konventionen nicht zurück. Was soll uns denn bitteschön das arg melodramatische Road Movie im Titeltrack sagen? Bereits da scheint die Pose wichtiger als der Inhalt zu sein. Oder wie ist es mit dem Berserker-Schlagzeug in „Raindrop Blue“, welches die hitzig eleganten Bläser förmlich zerdeppert? Hauptsache, es knallt? Zumindest das funktioniert. Doch auch da muss man sagen: den discoiden Marching Funk von „Psycho Star“ hätten Spoon beseelter und intensiver hinbekommen. Denn man kann sich dem Eindruck nicht entziehen, dass King Tuff für dieses Album eine To Do-Liste abzuarbeiten hatte. Eine bluesige Mundharmonika, die süffig leiert? Packen wir in „Infinte Mile“ rein, diesen Americana, dessen künstlerische Integrität nur bis Kid Rock reicht. Wir brauchen aber auch noch so einen Astro-Synthie Track, in den wir solch glorreiche Banalitäten wie „tonight we´re gonna fly like birds of paradise“ ungestraft unterbringen können…Wie gesagt, diese Platte rettet ein wenig, dass man sie nicht wirklich ernst nimmt, als Persiflage auf das aufgeblasene Muckertum der Siebziger funktioniert sie aber ganz gut.

Dass Cardi B ganz klar BOSS ist, wissen wir bereits seit letztem Jahr: „Bodak Yellow“ war ein selbstbewusst diszipliniertes Überstatement in Sachen Female Rap. Mit der selben Selbstverständlichkeit schickt die Dame aus der Bronx ihr Debütalbum hinterher. Es gibt im Moment keine Rapperin, die so allumfassend den Ring beherrscht, ganz klar als Chefin obenauf bleibt, obwohl die Featureliste für ehrfürchtiges Staunen sorgt. Da können Migos all ihre Vorzüge in dem herrlich runtergespulten „Drip“ in die Waagschale werfen, Cardi B bleribt der souveräne Mittelpunkt. Die klare Kante in den Raps ist vielleicht das größte Pfund, mit dem die Dame wuchern kann. Auch der ausgelassene Ausritt nach Kuba mit „I Like It“ bekommt erst durch die Strenge in Cardi B´s Vortrag seine Signatur. Andererseits ist es auch fein, wenn die New Yorkerin in „Be Careful“ die Zügel ein wenig schleifen lässt und in ihre Stimme sich etwas brüchige Transparenz einschleicht. Doch generell behält Cardi B eindeutig die Kontrolle, wringt ihre Songs bis auf den letzten Bluttropfen aus, ja sie fickt ihre Tracks geradezu mit einem diabolischen und unnachgiebigen Grinsen, man höre nur das gnadenlose „Money Bag“. Pause bitte!

Leute, die sich selber attestieren, über wenig Geduld zu verfügen, sollten bei dem ersten Album von National Jazz Trio Of Scotland vielleicht eher weghören. Denn diese Platte kommt nie so wirklich auf den ominösen Punkt, schlicht, weil es diesen Punkt oftmals nicht gibt. Das raum- und zeitlose Dahingleiten ohne übergeordnetes Ziel ist der Fetisch dieses Debütalbums von Bill Wells, der seine Stücke durch die meditative Stimme von Kate Sudgen adeln lässt. Wenn es schon keine markanten Höhepunkte auf diesem Album gibt, lässt sich aber freudig feststellen, dass die Instrumentierung sehr geschmacksicher ausfällt. Das eröffnende Mantra „Quick To Judge( Don´t Be So)“ wirft behutsam ein paar Orgelfragezeichen in eine schwerelose Blase, die durch Harfe und anderes gezupftes Saitenwerk ein wenig Kontur erhält. Man denkt bei den Stücken dieser Platte an die großen Leisetreter der Musikgeschichte, „Far From You“ lässt die Carpenters durchscheinen und wenn in „Move“ der Bossa Nova zu seinem Einsatz kommt, ist Astrud Gilberto nicht fern. Generell scheint diese ernsthafte Musik dann doch von einem Augenzwinkern begleitet zu sein, die Indizien: nun, erstens ist das National Jazz Trio of Scotland eine Angelegenheit von zwei Musikern, die obendrein dem Jazz eher fernbleiben. Und dass ausgerechnet im wildesten Track das Bedürfnis nach einem ruhigen Leben postuliert wird, ist dann schon recht witzig. Also: „I´ve had enough, I need a quiet life“.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies