Martins Poptagebuch: 25.04.2018

mit A Perfect Circle, Perel und Drinks

Zu Beginn des heutigen Tages steht eine gewichtige Erkenntnis: nie steckte in Maynard Keenans A Perfect Circle weniger Tool als auf „Eat The Elephant“. Für wen sich das wie eine gute Nachricht anhört, darf frohlocken. Denn abseits der inzwischen etwas ausgetretenen Pfade des Keenanschen Kompositions-Kosmos findet sich einiges, was dauerhaft für Freude sorgt. Da wären zu Beginn der Titetrack und der Song „Disillusioned“. Beide halten sich im semiballadesken Sektor auf und berühren mit traumwandlerisch schönen Refrains, Hier kommt vor allem die kompositorische Finesse von Co-Frontmann Billy Howerdel voll zum Tragen. Auch das fast frühlingshaft daherrauschende „So Long, And Thank You For The Fish“ trägt eher Howerdels Handschrift als die von Keenan. Und dies ist hier kein Schaden, auch das mit Americana-Gitarren geerdete „Delicious“ scheint sich nicht zu viel um einen aufgeblasenen Überbau zu scheren. Eine gewisser Verzicht auf Opulenz an vielen Stellen tut der Platte gut, wobei es freilich nach wie vor Stücke gibt( „By And Down The River“), die eine hohe Komplexität aufweisen. Doch das mancherorts Leichte und Lockere machen „Eat The Elephant“ zum zugänglichsten Album dieses Projekts und das ist in diesem Fall wirklich eine gute Nachricht.

Eine schöne Meldung war es auch, als bekannt wurde, dass Perel, mit bürgerlichem Namen Annegret Fiedler, das erste deutsche Signing bei DFA sein würde. Und nicht nur ihre Debütsingle „Die Dimension“, auch ihr jetzt vorliegendes Debütalbum „Hermetica“ legen nahe, dass dies eine weise Entscheidung seitens des Labels gewesen ist. Denn Perel vereint den direkten Wumms schmissiger House Music mit durchaus facettenreichen Experimenten, die sich gerne in ein dunkles Kleid des Ambient einhüllen. Es gibt dann doch recht viele magische Momente auf einer Platte, die dem Dancefloor nahe bleibt aber auch die atmosphärischen Nischen ausfüllt. So kocht in einem die Euphorie hoch, wenn in „Project 3“ die Base Drum einsetzt, da stellt man sein Getränk gerne in die Ecke. Oder auch die herrlich elastisch klöppelnden Percussions in „Pastarella Al Limoncella“, ein Genuss. Typisch deutsch sind dann die Stücke „Alles“ und besagtes „Die Dimension“. Mit teutonischer Strenge wird hier Philosophisches diszipliniert durchgetanzt und gerade „Die Dimension“ zeigt mit seiner Hingabe zum Dark Wave, warum Depeche Mode vor allem in Deutschland so viele Anhänger besitzen.

Jetzt kurz was zu mir: Ich habe es immer mit dem Credo von !!! gehalten, das da lautet: „all my heroes are weirdos“. Cate Le Bon und Tim Presley, zusammen Drinks, heiße ich da recht herzlich als Neuzugänge in meinem Heiligenschrein willkommen. Das haben sie sich aber auch redlich verdient, denn bei „Hippo Lite“ passt kein Bauteil zum anderen, das Gesamtbild ist dafür umso schöner. Stellt euch vor, die Fiery Furnaces und die Moldy Peaches hängen in irgendeinem unaufgeräumten Spielzimmer zusammen rum und kommen auf die Idee, Kammermusik für die Krabbelgruppe zu machen. Da müsste der Keilriehmen der Drehorgel dringend mal ausgetauscht werden und der Geigenbogen fährt schiefertafelig über die Seiten. Für Vernunft bleibt da kaum Platz. So will in „Real Outside“ eine wurmstichige E-Gitarre ernsthaft über den Funk diskutieren aber keine Chance, läuft grad Sesamstraße. „Corner Shop“ kommt dann eher einer Version von Rockmusik nahe, deren größte Sorge es ist, beim Kinder-Schminken nicht mehr dran zu kommen, die gegeneinander aufgewickelten Gesangsharmonien beruhigen da nur wenig. Zum Schluss der Platte machen Drinks dann ernst, sie steigern sich bei den letzten Songs in einen ungesunden Groove rein, der schon mal einer hoffnungsfrohen Melodie garstig übers Maul fährt. Ein herrliches Chaos also, welches aber so manchen spleenigen Ohrwurm abwirft.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies